Auf den Spuren einer alten Zeichnung

August 2024
von Sankt Petersburg aus
zu den wichtigsten Heligtümern
Ikonen, Orthodoxie,
Land und Leute
Pskow, Weliki Nowgorod
Iverki Kloster und Walaam

Pilgerreise zu bedeutendsten Klöstern in Russland

Monika und Cyrill

Schweiz

Wir, Monika und Cyrill aus der Schweiz, waren im August 2024 den ganzen Monat auf einer Reise in Russland.
Für Cyrill war es die dritte Reise 2024. Ausgangspunkt für die Reise war eine Zeichnung, welche Monika 1975 in Veliki Novgorod gemacht hatte. Ein paar Tage später haben wir uns im Flugzeug von Moskau in die Schweiz kennengelernt.

Es war nun an der Zeit, nach 49 Jahren den Ort, wo die Zeichnung entstanden ist, gemeinsam zu besichtigen.
Georgikirche im Juriew Kloster bei Weliki Nowgorod, Zeichnung von Monika, 1975
Es war auch unser gemeinsamer Wunsch, als Pilger in mehrere Klöster zu gehen. Zudem sind wir sehr interessiert an den Ikonen. Es war für uns auch wichtig, dass die Reise stressfrei geplant war und dass wir mit wenig Gepäck unterwegs sein konnten. Daraus entstand folgender Reiseplan: Wir hatten als Basis ein Hotel in Sankt Petersburg. Dort haben wir einen Koffer im Depot gelassen und sind jeweils nach zwei Stationen wieder dorthin zurückgekehrt. Die dreimal zwei Stationen waren:

– Veliki Nowgorod und Iverski Kloster
– Pskow und Petschory Höhlenkloster
– Priosersk und Klosterinsel Valaam.

Die Daten haben wir so gelegt, dass wir an den Festtagen in den Klöstern waren, so zum Beispiel das jährliche Klosterfest im Iverski Kloster am 10. August, der Verklärungstag (Priobrashenije) in Petschory, dies ist der so genannte Apfeltag. In Veliki Novgorod und Pskow haben wir die Museen mit den bedeutenden Ikonensammlungen besucht. Diese beiden Museen sind neben dem Tretjakow Museum die bedeutendsten Ikonen Museen.

Wir hatten kein eigenes Auto, sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln gereist und mit Taxis. Mit dabei ein Handy mit russischer Simkarte und die grüne Mir Debit Card. Diese Karte erlaubt kontaktloses Zahlen (sehr üblich), nachdem die westlichen Kreditkarten wegen den Sanktionen nicht mehr funktionieren. Ebenfalls erschwert ist die Hin- und Rückreise: Man muss einen Umweg machen und zB über die Türkei nach Russland fliegen (es gibt auch andere Varianten wie Belgrad, Dubai etc.). Konkret: wir sind um 14:00 Uhr in Basel mit Pegasus abgeflogen und um 4:00 Uhr morgens in Sankt Petersburg angekommen, mit zwei Zwischenlandungen mit nicht allzu langen Wartezeiten.

Die Reise haben wir selbst konzipiert, für die Umsetzung haben wir auf dem Internet eine junge Frau gefunden, Anna, die uns zB konkret Reservation und Bezahlung von Hotels vornahm. Wir hätten das weitgehend auch selbst machen können, jedoch mit ungleich höherem Aufwand. Ihre kompetente und umsichtige Unterstützung war für uns sehr hilfreich. Sie spricht perfekt Deutsch und konnte immer wieder vermitteln. Wir sind ihr für ihre Unterstützung unendlich dankbar. Im Rückblick können wir feststellen, dass diese ganze komplexe Reise praktisch auf die Minute wie geplant umgesetzt werden konnte.

Veliki Nowgorod und Iverski Kloster

Nach zwei Tagen St. Petersburg sind wir nach Veliki Novgorod mit dem Zug gefahren, etwas mehr als vier Stunden. Das Hotel lag direkt neben dem Kreml mit der bedeutenden Sophien Kathedrale und der Brücke über den Fluss Wolchow.

Die Sophia Ikone in der Sophienkathedrale in Veliki Novgorod
Ikonensammlung im Museum in Veliki Novgorod
Hauptkirche im Kreml von Veliki Novgorod
Ein wichtiger Besuch war das Jurjew Kloster, wo Monika damals die erwähnte Zeichnung gemacht hatte. Wir konnten den Ort und die Kirche besichtigen.
Wir haben zwei weitere Klöster besucht (jeweils mit Taxi) – beides Frauenklöster, die sich durch farbenfrohe und sorgsam gepflegte Blumenbeete auszeichnen. Im Chutinskji Kloster haben wir eine junge Frau getroffen, die uns angeboten hat, uns mit ihrem Auto zum Iverski Kloster - etwas über 4 Stunden entfernt - zu fahren.

Im Iverski Kloster haben wir vier Tage in der Pilger Unterkunft gewohnt, im Refektorium für Pilger gegessen. Am Klosterfesttag haben wir den Festgottesdienst besucht und anschliessend wurden wir eingeladen zum Festmahl im grossen Refektoriumsraum.

Die Legende dieser Iverskaja Ikone hat uns schon längere Zeit beschäftigt auch mit dem Besuch des Iviron Klosters auf der Insel Athos, eine Gründung von georgischen Mönchen (Iveria ist einer der Namen für Georgien).
Der Aufenthalt in diesem Kloster war neben den vielen schönen Eindrücken sehr erholsam, nicht zuletzt, auch weil es praktisch keinen WLAN-Empfang gab. Nach vier Tagen ging’s wieder zurück nach St. Petersburg.
Der Esssaal für die Pilger im Iverski Kloster
Der Blumengarten im Chutinskji Kloster in Veliki Novgorod
Die festtäglich geschmückte Iverskaja Ikon
Iverski Klosterkirche

Pskow und Petschory Höhlenkloster

Von St. Petersburg dann zur zweiten Etappe zuerst in die Stadt Pskow, die Nachbarstadt zu Veliki Novgorod, kurz charakterisiert: Veliki Novgorod ist die vornehme Stadt, Pskow die Stadt der Händler und Gewerbetreibenden. Auch da ein bedeutendes Ikonenmuseum mit dem unverwechselbaren Pskower Stil.

Wir waren in einem kleinen Hotel untergebracht, das direkt neben dem Museum mit den Ikonen lag. Wir unternahmen mehrere längere Spaziergänge den Flussufer entlang, zu Kirchen und Klöster mit dem Taxi. Mit einem Taxi - einem sehr interessanten Fahrer: Jurist und Lehrer, in der Sommerferienzeit auch Taxifahrer - ging es dann etwa eine Stunde zum Petschory Höhlenkloster. Dies ist eine spezielle Anlage, die von der Topographie her bestimmt ist. So sind die vier Kuppeltürme nicht in einem Quadrat angeordnet, sondern sind frontal aufgereiht.
Hauptkirche im Kreml von Pskov
Im Pilgerhotel Petschory
Im Snetogorsk Kloster in Pskov
Wir besuchten die über 50 m langen Höhlen mit vielen Gräbern. Hier haben wir auch den Apfeltag gefeiert – die Menschen kamen mit den ersten geernteten Äpfeln und Weintrauben in die Kirche, brachten sie zum Segnen. Die Tagesikonen waren mit Blumen und Äpfeln eingefasst.

Das Kloster liegt ein paar Kilometer von der estnischen Grenze entfernt, wir haben einiges über die möglichen Grenzübergänge erfahren, aus den Schilderungen offensichtlich keine empfehlenswerte Alternative.
Mit Auto und dann Zug ging’s einmal mehr zurück nach St. Petersburg.
Das Höhlenkloster Petschory
Die geschmückte Tages Ikone am Festtag Preobrashenjie (auch: Apfeltag) im Höhlenkloster Petschory
In einem Gang des Höhlenklosters Petschory

Priosersk und Klosterinsel Valaam

Unser alter Bekannter, den wir vor ein paar Jahren als Taxifahrer in St. Petersburg kennengelernt haben, brachte uns mit seinem Auto nach Priosersk, etwa vier Stunden nordwärts am Ladoga See, dem grössten See Europas. Dort haben wir in einer Blockhütte in einem Kiefernwald eine Woche verbracht. Eine zauberhafte Stimmung in Karelien.

In dieser Woche fuhren wir mit dem Schiff zur Klosterinsel Valaam, eine dreieinhalbstündige Schifffahrt. Wir besuchten die Hauptkirche, auf der Insel gibt es mehrere Kirchen und Klöster. Die Hauptkirche wurde in den während des 20. Jahrhunderts unter anderem von den alten Ikonen entleert (sie befinden sich nun in Finnland). Die Kirche musste innen neu bemalt werden.
Wir verbrachten eine Nacht im stilvoll ausgebauten Pilgerhotel. Die Insel ist spürbar ein besonderer Ort. In Priosersk feierten wir auch den 80. Geburtstag von Monika.
Am Ufer des Ladogasees
Die Hauptkirche von Valaam
Nikolai Kirche Einfahrt zur Klosterinsel Valaam
In der Pilgerunterkunft in Valaam
Nach der Rückfahrt nach Priosersk verbrachten wir noch ein paar erholsame Tage am Ufer des Ladogasees, bevor wir wieder mit dem Auto zurück gefahren wurden nach St. Petersburg. Nach zwei Tagen dann die Rückreise wiederum über die Türkei.
Fazit: alles hat bestens funktioniert, Wir konnten die Reise wie geplant durchführen. Wir haben unzählige herzliche Begegnungen mit den Menschen erleben dürfen, eine wunderbare Gastfreundschaft. Die Begegnung mit der Kunst, der Geschichte, der verschiedenen Orte war für uns ein grosses Geschenk.
Seenlandschaft im Valdaisee beim Iverski Kloster
Vielen Dank für die Bilder an Cyrill
Baikal Reise Russland 2024
REISEPLAN:

Tag 1 - Ankunft in Sankt Petersburg
Tage 2-3 - Sankt Petersburg
Tag 4 - Zugfahrt nach Weliki Nowgorod
Tage 5-9 - Weliki Nowgorod und Petschory Kloster
Tage 10-12 - Iversky Kloster am Valdai See
Tag 13 - Sankt Petersburg
Tage 14-18 - Pskow
Tage 19-21 - Petschory Höhlenkloster
Tag 22 - Sankt Petersburg
Tage 23-25 - Priosersk. Erholung im Waldhotel am Ladogasee
Tag 26 - Schifffahrt zur Insel Walaam
Tag 27 - Kloster Walaam. Rückkehr nach Priosersk
Tage 28-30 - Priosersk. Erholung im Waldhotel am Ladoga See
Tage 31-32 - Sankt Petersburg
Tag 33 - Heimflug


Es war ein wunderbares Reiseprogramm, voller geistiger Bedeutung, aufrichtigem Interesse und bleibenden Erinnerungen. Für mich ist es immer eine große Freude, solch besondere und persönliche Emotionen mit unseren Gästen teilen und virtuell mit ihnen reisen zu dürfen. Ein herzliches Dankeschön an liebe Monika und Cyrill für das Vertrauen und freundliche Kommunikation.
Ich wünsche Ihnen noch viele schöne Jubiläen, in Russland oder anderswo, zusammen zu feiern!

Anna Safronowa
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